Elektroautos nehmen dir dein Mojo

Als Autojournalistin und Mitinhaberin von Automobile BOZ , besteht der Inhalt meines Alltags fast ausschließlich aus Kraftfahrzeugen. Täglich erlebe ich kleine, große, blaue, rote, … Verbrenner, Plug-in-Hybride und elektrobetriebene Autos.

Unser eigener Serviceersatz-Pool besteht aus Plug-in-Hybride und seit kurzem auch aus vollelektrischen Fahrzeugen. Warum? Nun, die staatliche Subventionierung macht die Preise äußerst attraktiv und die Problematik „bitte wieder vollgetankt zurück“ hat sich somit auch erledigt.

Im Sommer hatte ich das Vergnügen, den neuen Audi Q4 35 e-tron aus Ingolstadt abzuholen. Ein sympathischer SUV, der eine Reichweite von 260 Kilometer verspricht.

Das Fahrgefühl

Das Starten ist wie immer elektrisch und verläuft geräuschlos. Keine Zündung, kein Summen oder Piepsen beim Betätigen des Start/Stop-Knopfs. Während der Fahrt vernimmt man, je nach Fabrikat, lediglich die Abrollgeräusche der Reifen, ansonsten hört und fühlt es sich an wie S-Bahn-Fahren.

Ich habe den Q4 35 e-tron vier Wochen lang zu meinem Alltagsauto gemacht und getestet. Wie bei allen Fahrzeugen mit Elektromotor ist ein nahtloses und schnelles „Auftanken“ nach wie vor nicht möglich. Gute Planung, Vernetzung und viel Zeit wird benötigt, um damit die gewohnte Mobilität erleben zu können.

Meinen Führerschein machte ich Ende der 90er. Für mich und den Rest meiner Generation, war das Besitzen des Führerscheins mit 18 Jahren das Wichtigste. Die meisten Eltern hatten die vernünftige Absicht, dem Führerscheinneuling ein günstiges, ältere Auto zur Verfügung zu stellen. Geträumt haben wir jedoch alle von kompakten, leistungsstarken Sportwägen.

Die vierwöchige Nutzung des Q4s haben mir regelrecht mein „Mojo“ genommen. Mir hat etwas gefehlt. Nur was? Ich fahre ein fabrikneues Auto, äußerlich attraktiv, technisch auf dem modernsten Stand, in der Gesellschaft als Klimaretter eingestuft. Die Vorraussetzungen für die „sinnvolle“ Teilnahme am Verkehr sind erfüllt.

Eines Tages, war der Q4 wieder mal leer, ich hatte schlichtweg keine Zeit und keine Möglichkeit zu laden. Ich sah mich auf dem Firmenparkplatz um und sah meinen 49 Jahre alten Porsche, der im Februar auf gesalzenen Straßen eigentlich nichts verloren hatte. Jedoch hatte ich keine andere Wahl, ein Termin, leere Akkus und keine 4h Zeit zu laden.

Ich starte den Porsche, mit der Zündung spüre ich, wie in Millisekunden die Brennräume volllaufen, wie der Leerlauf gleichmässiger wird und der Motor rhythmisch läuft. Ich nehme die Vibrationen wahr, wie die Nadel im Kombi-Instrument zwischen 0 und 1000 auf und abspringt und vor allem, wie es nach Benzin riecht.

Dieser Schlüsselmoment machte mir deutlich, dass das Fahren mit Elektrofahrzeugen einfach keinen Spass macht. Autofahren ist nach wie vor ein Gefühl, es ist eine Kontrolle der zusammenspielenden Komponenten, es ist ein Arbeiten, ein Führen und ein Lenken der spürbaren Kraft.

Fazit

In unserer Gesellschaft haben sich die Leidenschaften teilweise verschoben. Vom Bändiger der PS mutieren manche zu Systembediener der Kw/hs. In der Welt der Akkus und Systeme sind wir nur noch mit Kümmern beschäftigt. Wir kümmern uns morgens um den Kaffeeautomaten indem wir sämtliche Knöpfe und Tastenkombinationen drücken, bis wir eine Tasse Kaffee bekommen. Wir kümmern uns Abends um das Anstecken der Akku-betriebener Geräte wie Uhr, Telefon, Tablet, Staubsauger, Lockenstab, damit am nächsten Morgen unser Leben wieder starten kann.

Was ist mit unseren Emotionen, Sinnen, Intuitionen? Können wir noch ein Fahrzeug mit 400PS ohne Assistenzsysteme mit Schaltgetriebe steuern? Können wir nach Gefühl ohne Parksensoren vorwärts, rückwärts oder seitlich einparken?

 

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